Arbeitshilfe zu den Plakaten "Jugend & Religion" Auch für Beamereinsatz auf CD-ROM erhältlich ...
Nachdem immer wieder nach den Plakaten unserer Arbeitsgruppe "Jugend & Religion" aus dem Jahr 2000 gefragt wird, haben wir diese Motive auch auf CD-ROM gebrannt.
CD und pädagogische Arbeitshilfe zu den vier bekannten und provokanten Motiven gibt es ab sofort im Komplettset zum Preis von 10,00 Euro im Servicepoint unter kja-servicepoint@bistum-wuerzburg.de
Viel Spaß und Erfolg bei der Arbeit mit diesen Motiven!
Engel. Oder Sünderin? JOHANNA, 16: Ich habe einen Freund. Schon den vierten. Ich habe Sex und nehme die Pille. Meine Eltern machen Stress, die Schule ist scheiße. Und Kirche ist das letzte was ich brauche.
Ich glaube, ich red‘ mal mit den anderen. Originalzitat aus der Studie Jugend & Religion, Prof. Dr. Dr. Ziebertz, Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Uni Würzburg.
Ewiges Licht. Der letzte macht ’s aus. MARKUS, 18: Mit Kirche habe ich nichts am Hut. Kirche ist was für Alte und Spießer. Und die Worthülsen des Pfarrers haben nichts mit Gott und meinem Glauben zu tun. Beten kann ich auch zu Hause. Ich glaube, ich red‘ mal mit den anderen.
Originalzitat aus der Studie Jugend & Religion, Prof. Dr. Dr. Ziebertz, Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Uni Würzburg.
Religion. Für ’n Arsch? CLAUDIA, 17: Ich will mir ein Kreuz kaufen. Ich glaube es bringt mir Glück und Kraft und hilft mir, mich zu besinnen. Mit der traditionellen Kirche kann ich ganz klar nichts mehr anfangen. Ich mache mir mein eigenes Bild von Gott, der Kirche und dem Kreuz. Ich glaube, ich red‘ mal mit den anderen. Originalzitat aus der Studie Jugend & Religion, Prof. Dr. Dr. Ziebertz, Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Uni Würzburg.
Paradies. Dafür erst sterben? ANDREAS, 18: Ich bin überzeugt, dass die Welt von einer höheren Macht gelenkt wird. Zuweilen bete ich, spreche dabei aber nicht mit Gott sondern mit meiner verstorbenen Oma. Mit Gott wie ihn die Kirche predigt kann ich nichts anfangen. Ich glaube, ich red‘ mal mit den anderen. Originalzitat aus der Studie Jugend & Religion. Vorwort von Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Ziebertz vom Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Universität Würzburg zur Plakatserie „Jugend & Religion“
Um ein Faktum braucht man nicht lange herum zu reden: Die beiden christlichen Kirchen stehen bei Jugendlichen (wie insgesamt) nicht hoch im Kurs. Mittel- und langfristig sind die zu erwartenden Auswirkungen nicht ohne Dramatik: für die Kirchen, für die Präsenz christlicher Überzeugungen in der Gesellschaft, für christliche beeinflusste Ordnungspunkte und Wertmaßstäbe in unserer Kultur und für die persönlichen Lebensausrichtungen. Es gibt keinen selbstverständlichen milieuhaft vorgezeichneten Weg der Einführung der jungen Generation in Glaube und Kirche. Große Jugendmassen wie bei den Weltjugendtagen dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass hier vor allem kirchennahe Jugendliche zusammenkommen, also diejenigen, die in den Gemeinden und Gruppen aktiv sind. Eine nachhaltige Breitenwirkung ist zunächst nicht mehr als eine Hoffnung.
Es ist kein neues Phänomen, dass Jugendliche die Kirche für zu alt, zu altmodisch und zu vergangenheitsorientiert erfahren. Und die Kirche ist nun einmal der sichtbare Ausdruck von Christentum und Glaube. Jugendliche erleben zu wenig, dass es in der Kirche um etwas geht, dass sie selber betrifft. Sie haben oftmals keinen Zugang zur Sprache, zu den angebotenen Bildern und Beispielen, mit denen der Glaube vermittelt und erklärt wird. Sie erkennen darin zu wenig ihre eigenen Fragen und Sehnsüchte. Wie eine neuere Studie (1)gezeigt hat, sind viele Jugendliche keineswegs „religiös unmusikalisch“, aber zur Klaviatur der Kirche gibt es in vielen Bereichen eine große Distanz. Die Darstellungen auf den Plakaten dieser Serie mögen manch’ frommen Gläubigen einen Schrecken einjagen: Darf man so über Religion reden? Darf man solche Vergleiche bringen? Sind solche Bilder im kirchlichen Raum akzeptabel? Ich kann Menschen verstehen, die so denken. Aber für sie ist die Plakatserie zunächst wohl nicht gedacht. Sie ist gedacht für Jugendliche, sich damit auseinanderzusetzen, zu fragen, in welchen Äußerungen man sich selber entdeckt, welche Provokation einen treffen, oder was man vielleicht noch drastischer formulieren würde. Die Plakate fallen in bestem Sinn aus dem Rahmen – und das ist wohl nötig so. Sie „befrieden“ Glaube und Religion nicht in einem domestizierten Rahmen, der schnell langweilig ist. Sie eröffnen Raum für eigene Assoziationen und auch für Widerspruch. Sie können zu dem Wertvollsten führen, dass wir uns wünschen können: zu religiöser Kommunikation – zum Gespräch darüber, was Religion und Glaube sind und sein sollten! Die Plakate haben die Kraft herauszufordern und religiöses Fragen aufzuwerfen, das „aus dem Leben“ kommt. „Unterbrechung“ hat Johann Baptist Metz einst als kürzeste Definition von Religion bezeichnet. Dem Umgang mit den Plakaten ist zu wünschen, dass sie zur Unterbrechung führen. Sie sind ein Mittel und nicht selber Zweck. Es kann weder darum gehen, die Aussagen und Bilder einfach zu akzeptieren, noch, sie rundweg abzulehnen. Vielmehr ist gerade interessant herauszuarbeiten, was uns an ihnen stört und was unserer eigenen Wahrnehmung entspricht. In diesem Sinn können die Plakate auch Erwachsenen in der Kirche einen Denkanstoss geben. Die Bilder und Aussagen können helfen, ehrlich und offen zu inventarisieren, wie es um Glaube und Kirche bei uns steht – um es dann dabei bewenden zu lassen? Letzteres wohl nicht. Die Beschäftigung ruft dazu auf, die Frage zu stellen, was werden soll! Die Bilder entsprechen nicht der üblichen Weise, wie über Religion und Glaube gesprochen wird. Darin liegt ihr provokativer Gehalt und zugleich ihr Wert. Es ist zu wünschen, dass sie zur Auseinandersetzung anregen. Religion ist Anstiftung: zu einem neuen Wahrnehmen, einem besseren Urteilen und einem veränderten Handeln. (1) Vgl. Ziebertz H.-G./Kalbheim B./Riegel U., Religiöse Signaturen heute. Ein religionspädagogischer Beitrag zur empirischen Jugendforschung, Gütersloh/Freiburg (GVH/Herder) 2003, 455 Seiten.
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